11. Februar 2026

Es ist gar nicht auszuschließen, dass es Deutschland in rund zehn Jahren deutlich besser gehen wird als heute. Nicht automatisch, aber aus durchaus nachvollziehbaren Gründen. Mehrere Entwicklungen sprechen klar dafür.
Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt
Der viel zitierte deutsche Mittelstand hat über zwei Jahrzehnte stark vom billigen Euro profitiert und dabei vielerorts Innovationen vernachlässigt. Das war bequem – und lange erfolgreich. Inzwischen hat sich der Wind gedreht. Unternehmer müssen sich wieder ernsthaft anstrengen, investieren, erklären, überzeugen. Das ist unbequem, aber notwendig, wenn Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleiben soll.
Gerade im Mittelstand gibt es viele sehr fähige Unternehmen, denen vor allem eines fehlt: Personal. Menschen sind unsere mit Abstand wertvollste Ressource. Der oft zitierte Fachkräftemangel wird dabei jedoch häufig verkürzt dargestellt. Der Engpass liegt nicht primär in mangelnder Arbeitsbereitschaft oder in Teilzeitmodellen, sondern in der Struktur des Arbeitsmarktes. Arbeitskraft ist vorhanden, sie ist nur falsch verteilt. Zu viele wenig produktive Unternehmen sowie stellenweise der Staat binden Personal, das in innovativeren, wertschöpfenden Bereichen dringend gebraucht würde.
Krise als Chance
Krisen wirken in solchen Phasen wie ein Filter. Überholte Strukturen geraten unter Druck, ineffiziente Geschäftsmodelle verschwinden. Das ist hart für die Betroffenen, aber möglicherweise überfällig. Gleichzeitig werden dadurch Fachkräfte frei, die von zukunftsfähigen Unternehmen aufgenommen werden können. In dieser Reallokation liegt ein oft unterschätztes Erneuerungspotenzial.
Hinzu kommt ein Faktor, der emotional aufgeladen ist, aber nüchtern betrachtet werden sollte: Rüstung und Verteidigung. An dieser Stelle nicht aus moralischer Perspektive , sondern kühl als industrieökonomische Realität. Der deutsche Maschinenbau gehört weiterhin zu unseren größten Stärken. Das Sondervermögen schafft hier planbare, langfristige Nachfrage. Rüstung wirkt dabei zwar nicht als ziviler Konsumbooster, aber durchaus als industrieller Impulsgeber: Sie aktiviert bestehende Kompetenzen und Strukturen, zieht spezialisierte Zulieferer mit und kann Innovationen und Investitionen auslösen, die weit über den Verteidigungssektor hinaus wirken. Das ließ sich beispielsweise in den USA beobachten, wo aus militärischen Forschungsprogrammen technologische Entwicklungen wie das Internet hervorgingen.
Europa
Auch geopolitisch verschieben sich die Koordinaten. Historisch haben erst die Briten und später die Amerikaner darauf geachtet, dass in Kontinentaleuropa kein Hegemon entsteht, sondern die Länder dort in ihrer Peripherie eher träge und zufrieden zu halten. Heute ist die Lage eine andere. Deutschland wird zunehmend dazu gedrängt, Verantwortung und Führungstärke zu übernehmen – diesmal europäisch eingebettet, versteht sich. Gleichzeitig nimmt der Einfluss der USA relativ ab. Europa muss dadurch schneller, strategischer und eigenständiger werden. Vieles deutet darauf hin, dass dieser Prozess bereits begonnen hat: bei Handelsabkommen, industriepolitischen Entscheidungen und Fragen digitaler Souveränität. Auch die USA werden ihre aktuelle Phase überwunden haben. Ich halte die amerikanische Gesellschaft für viel zu resilient und vital, als dass sie sich dauerhaft ihre Freiheit nehmen ließe.
Geschichte verläuft entlang der Zeitachse in Zyklen. Auf Phasen der Stagnation folgen nicht selten überraschend kräftige Aufschwünge. Vielleicht stehen wir gerade an so einem Punkt. Es ist zumindest sinnvoll, sich gedanklich darauf einzustellen.
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